"Frauen als Beute - Wehrmacht und Prostitution"
Erstausstrahlung: 12.01.2005


Die WELT am 11.01.2005:

[...] ein inhaltlich bemerkenswerter Film über ein nahezu vergessenes Thema [...]


FAZ.NET / Der FAZ-Artikel erschien auch in der Printausgabe am 12.01.2005:

[...] Eindringlich zeigt dies der bemerkenswerte Film von Thomas Gaevert und Martin Hilbert über die Wehrmachtsbordelle, den die ARD heute abend zeigt. Nachdem im ersten Weltkrieg die bürgerliche Sexualmoral durch das Ineinandergreifen von Hygienekontrolle und organisierter Triebabfuhr in Soldatenbordellen dispensiert worden war, bedeutete der Zweite Weltkrieg noch einmal eine Überbietung, bei der die Frauen im Rasse- und Vernichtungskrieg zu Freiwild der Kriegsmaschinerie wurden. [...]


Süddeutsche Zeitung am 12.01.2005

Beute für die Soldaten
Die ARD berichtet über Zwangsprostitution im Dritten Reich

Eigentlich hatte man gehofft, mittlerweile alles über die düsteren Kapitel der deutschen Geschichte zwischen 1933 und 1945 erfahren zu haben. Immer noch aber gibt es Vorkommnisse, deren Grausamkeit sich jeder Beschreibung entzieht. Thomas Gaevert und Martin Hilbert befassen sich heute Abend im Ersten in ihrem Film "Frauen als Beute - Wehrmacht und Prostitution" mit einem besonders widerwärtigen Beispiel.

Weil sich die Wehrmachtsmitglieder in den besetzten Gebieten bei freien Prostituierten regelmäßig Geschlechtskrankheiten holten und dadurch bis zu einem halben Jahr außer Gefecht gesetzt waren, organisierten die Militärbehörden die Prostitution. Kurzerhand wurden bereits bestehende Bordelle in Einrichtungen für die Soldaten umgewandelt; die dort beschäftigten Frauen hatten keine Wahl. Das galt erst recht für die Frauen in Osteuropa, die von der Straße weg verhaftet wurden. Der Bedarf für diese perfide Form der Zwangsarbeit war groß. Weil laut Rassengesetz sexuelle Kontakte zu Polinnen als "Rassenschande" galten, wurden die Frauen kurzerhand zu "Sachen" erklärt. In Krakau haben sich dreiundneunzig Schülerinnen kollektiv das Leben genommen, um sich dieses Schicksal zu ersparen.

Über die Umstände, unter denen die Prostituierten arbeiten mussten, ist nur wenig bekannt. Viele, die das Bordell überlebten, starben später in einem Konzentrationslager. Andere wurden noch nach der Befreiung von Partisanen - von den eigenen Landsleuten also - ermordet: Sie galten als Verräterinnen und hatten sich der Kollaboration mit dem Feind schuldig gemacht. Offenbar hat sich bisher kaum jemand mit diesem Thema befasst; die Scham war wohl auf beiden Seiten zu groß. Gaevert und Hilbert ist es gelungen, einige Frauen davon zu überzeugen, erstmals ihr Schweigen zu brechen. Was sie erzählen, ist erschütternd. Als Opfer, so das bittere Fazit der Autoren, werden diese Frauen bis heute nicht anerkannt.

tpg


Funk Korrespondenz 3/2005 am 21.01.2005:

Menschenverachtende Perfektion

[...] Die Autoren gehen in ihrer 45-minütigen Dokumentation sehr behutsam vor. Sie vermeiden eine starke Emotionalisierung des Themas, ebenso wie sie auch auf die Wiedergabe bekannten „Wochenschau“-Materials verzichten. Unter den Originalaufnahmen sind viele unbekannte Dokumente. Einzig die ersten Szenen im Vorspann des Films sind durch Grauschleier und Zeitlupe verfremdet und geben eine emotionale Grundstimmung vor, die den Film trägt, ohne dass auf dieses Stilmittel noch einmal zurückgegriffen würde. Denn gerade seine überwiegend distanziert-dokumentarische Vorgehensweise zeichnet diesen Film aus. [...]

(Produktion: Aquino Film im Auftrag des WDR)
Brigitte Knott-Wolf / FK

Projektgruppe Ravensbrück/Bielefeld / "Lagerbordelle - Sex-Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern"
anläßlich der Film-Vorführung in der VHS Bielefeld am 12.05.2010

Thomas Gaevert und Martin Hilbert beleuchten ein weitgehend verschwiegenes Kapitel deutscher Kriegsführung: die Institutionalisierung sexualisierter Gewalt im Zweiten Weltkrieg. Augenzeug_innen berichten über Wehrmachtsbordelle, Sex-Zwangsarbeit und Stigmatisierung.