"Now Charlie - you sing it!"
German Propaganda Swing im Großdeutschen Rundfunk

Produktion: SWR2 - Sendung: 04.04.2000, SWR2 - Dschungel - 30 Minuten
Wiederholung: 23.07.2002, 14.05 Uhr, SWR2

Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert und Peter Simon
Redaktion: Wolfram Wessels
Mit: Rainer E. Lotz
Sprecher: Ulrike Bliefert, Rainer Bock, Markus Calvin
Ton und Technik: Dietmar Rötzel, Waltraud Gruber
Regie: Maria Ohmer

Sendung anhören: [hier]

Die Geschichte von "Charlie and his Orchestra" ist ein dunkles und bizarres Kapitel deutscher Jazzgeschichte. Unter den Nazis galt Jazz als streng verboten. Doch ausgerechnet genau damit lieferte diese Band den musikalischen Köder für die Auslandsprogramme des Deutschen Reichsrundfunks. Erfolgreiche Swing-Titel aus den USA wurden nachgespielt und umgetextet. Sie transportierten nunmehr NS-Propaganda, Antisemitismus und pervertierten damit ihre amerikanischen Vorlagen. Die Auftritte von "Charlie and his Orchestra" wurden mitgeschnitten und für die Sendungen in geringer Anzahl auf Platte gepresst. Doch nur wenige Aufnahmen blieben erhalten. Der Sammler und Jazzliebhaber Rainer E. Lotz hat die Geschichte dieser Band erforscht.

 

"Ich brenne und ich werde immer brennen!"

Elisabeth Graul und die DDR-Vergangenheit

Produktion: SWR2 - Sendung: 09.11.1999, SWR2 - Dschungel - 35 Minuten

Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert und Dirk Bierbaß
Redaktion: Wolfram Wessels
Sprecher: Susanne Zielenbach, Ernst Konarek
Musik: Gerold Wagner, Dreiländer Quartett (Warnfried Altmann, Bernd Born, Peter Koch, Hans-Christoph Winkel)
Ton und Technik: Karlheinz Stoll, Renate Tiffert
Regie: Maria Ohmer

Sendung anhören: [hier]

Siehe auch: [Die Farce - Geschichte einer Verhaftung]

Im Juli 1951 wurde die junge Musikstudentin Elisabeth Graul aus Erfurt von der Staatssicherheit der DDR verhaftet. Ihr wurde die Zugehörigkeit zu einer Gruppe junger Leute vorgeworfen, die sich gegen die SED-Diktatur engagierte. Für Elisabeth Graul begann eine Odyssee durch die Gefängnisse der DDR. Ihr Prozess vor dem Obersten Gericht der DDR entpuppte sich als Farce mit gefälschten Aussagen, erpressten Geständnissen und massiven Einschüchterungen. Von den 15 Jahren Haft, zu denen sie verurteilt wurde, musste sie 11 Jahre im Frauengefängnis Hoheneck absitzen.

 

"... jeder kann Musik machen!"

Die genialen Dilettanten von Alsterdorf

Produktion: SWR2 - Sendung: 09.04.1999, SWR2 - Dschungel - 57 Minuten
Wiederholung: 10.08.2001, 14.05 Uhr, SWR2

Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert und Peter Simon
Redaktion: Wolfram Wessels
Mit: Kay Boysen, Harre Kühnast, Birgit Hohnen, Thomas Maier, Andrea Trumm, Hors Becker, Karl-Heinz Hille, Rüdiger Hirt
Sprecher: Roland Wagner
Ton und Technik: Ute Hesse, Gabi Kemper
Regie: Wolfram Wessels und Thomas Gaevert

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Ende der 80er Jahre kam der Independentmusiker Kay Boysen nach Hamburg, um mit geistig behinderten Menschen zu musizieren. Was als Freizeitprojekt begann, entwickelte sich bald zu einer ungewöhnlichen Band, die inzwischen mehrere CDs produziert hat und auf etlichen Tourneen durch ganz Deutschland ihre Fans begeisterte. Kritiker, die hinter dem Projekt inszenierten Klamauk auf Kosten der Behinderten vermuteten, sind längst verstummt. Die Sendung erzählt die Geschichte dieses Projektes und seiner Musiker.

Bild links: Die Band "Station 17" in der Besetzung von 1999. Vorne rechts: Bandgründer Kay Boysen (© Foto: Enver Hirsch)

 

Von Caven über Berlin nach Tír Ná Nóg

Ein irischer Musiker in Berlin

Produktion: SWR2 - Sendung: 20.11.1998, SWR2 - Dschungel - 25 Minuten
Wiederholung: 20.07.2000, 14.05 Uhr, SWR2

Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Wolfram Wessels
Mit: David Bradfield - Sprecherin: Lydia Meißner
Ton und Technik: MPL-Tonstudio Stefan Langner
Regie: Eberhard Klasse

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Sendefassung: [hier]
Arbeitsfassung: [hier]

Tir Ná Nóg - so nennen die Leute auf der irischen Insel das Land der ewigen Jugend. So heißt auch ein kleiner Laden mitten in Berlin. David verkauft dort traditionelle irische Musikinstrumente. Doch der Laden ist mehr: Hier trifft man sich, um Neuigkeiten auszutauschen und um gemeinsam zu musizieren. Und manchmal erzählen sich die Leute auch alte Geschichten aus Irland.

Foto: Kerry Montain Road, Ireland
Quelle: panaramio / © 2c



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Zu diesem Thema erschien in "Kiez und Kneipe" Berlin im März 2008 unter dem Titel
David Bradfield - ein Motor für das Irische
ein Beitrag, den wir hier mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlichen:

Wer kannte den irischen Laden mit dem Namen »Tir na nOg?« - Wer die Sessionband mit gleichem Namen? Der kennt David Bradfield, den Shiatsu-Lehrer, Körpertherapeut, Buchautor, Vater und Musiker. Der ewige still agierende Motor für’s Irische hat den Laden schon länger aufgegeben. Sein Ort der »Eintracht zwischen den Menschen«, wo die Teekanne immer dampfte und der »uilleann pipe« (irischer Dudelsack) oft quiekte, ist heute Legende. Schweren Herzens hat Dave in der durchökonomisierten Welt, seinem »Land der ewigen Jugend«, wörtliche Bedeutung des gälischen Tir na nOg, aufgegeben. Familiäre Gründe führten ihn ins fränkische Fürth. Dort bringt er wieder Menschen zusammen, verstärkt die irische Szene.

Der »Gelegenheits-Wochenend-Berliner« war 23 Jahre Teil der hiesigen Szene. Aufgewachsen ist David in Tralee, einer Kleinstadt im südwestlichen Irland im County Kerry. Der heute Mittfünfziger begehrte auf, ging nach Dublin, dann London, reiste, probierte sich aus, kam wieder zurück in die Heimat. Der verlorene Sohn sah sein verlassenes »spießiges« Irland mit anderen Augen, entdeckte es neu, mühte sich um seine kulturellen Wurzeln und versuchte sich in der gälischen Sprache. Nach Gitarre und Tin Whistle fand er sein magisches Instrument in der »Ellenbogen Pfeife« (Uilleann pipe). Sie unterscheidet sich von den Sackpfeifen, dass der Balg nicht mit dem Mund, sondern dem Ellenbogen aufgeblasen wird.

Die Spielkniffe lernte er auf den alljährlichen Summerschools in Irland, bei Fachleuten wie Seamus Ennis und anderen Dudelsackpäpsten. »Nach fünf Jahren hatte ich ein kleines Repertoire. Nach zehn Jahren konnte ich einigermaßen spielen«, seine Selbsteinschätzung.

Produkt seiner musikalischen Mühen: Zwei Tonträger: »From Clare to here« und »Celtic puls« mit Airs, Reels und Jigs und Hornpipes. Erschienen Anfang und Mitte der 90iger. Irlands Geschichte der Auswanderung beschäftigt ihn. Seine Rückkehr ist bei ihm nicht nur Traum und Wunsch, sondern schon sommerliche Praxis. Er verbindet seinen Broterwerb und Enthusiasmus: Shiatsukurs tagsüber und abends Musikmachen im Pub, in Südirland auf der Halbinsel Dingle, einer Gaeltacht (die irischen Sprachinseln, 1-2 Prozent sprechen heute noch das Gälisch).David ist ein stiller Macher. Er wirkt ohne sich aufzudrängen. Bescheiden, sich zurücknehmend, erfüllt er mit seinem Instrument jeden Raum. Konzentriert und angestrengt entlockt er warme Töne beim Betätigen von Blasebalg, Windsack, Chanter, Regulatoren und Drones (Basspfeifen) dem »Königsinstrument« unter den Sackpfeifen. Versprüht Sehnsucht. Lebt der »Kultur-Migrant« so sein Heimweh aus? Da ist was dran...

David Bradfield - Foto: Kappa photo / © 02/2008
Text: Lothar Eberhardt, Berlin (© 03/2008)
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www.shiatsu-chiropraktik-bradfield.de
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