Kasachstan, das war einmal
Wie die Familie Briandin in Deutschland eine zweite Heimat fand

Sendetermin: 29.06.2016, 10.05 Uhr, SWR2 Tandem - 25 Minuten

Autor: Thomas Gaevert
Redaktion: Ellinor Krogmann
Regie: Günter Maurer

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Emma Briandin unterrichtet Kriegsflüchtlinge in der deutschen Sprache. Die erste Hürde, als Asylbewerber „anerkannt“ worden zu sein, haben die 16 Teilnehmer ihres Deutschkurses genommen. Doch jeder von ihnen weiß genau: Wenn sie wirklich bleiben wollen, dann müssen sie auch die deutsche Sprache beherrschen, müssen sich in unser Alltagsleben und unsere Kultur einfühlen können. Erst dann werden sie eines Tages keine Fremden mehr sein, sondern wirklich „anerkannt“ werden. Denn Heimat habe sehr viel mit „anerkannt sein“ zu tun, sagt Emma.


Die Briandins 2016 auf dem Gelände des ehemaligen Wohnheims Diabas. Die Gebäude sind heute nur noch Ruinen.
Foto © (2016): Thomas Gaevert

Die sechzigjährige Lehrerin weiß, wovon sie redet. Geboren wurde sie 1955 im Uralgebiet. Ihre Eltern wurden als Rußlanddeutsche dorthin zwangsumgesiedelt. 1959, nach Stalins Tod, zog die Familie auf eine Sowchose im Norden Kasachstans um. Dort wuchsen Emma und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder auf.

„Also das war dort richtig Multikulti im positivsten Sinne“, erinnert sich Emma heute. „Es war so egal, welcher Nationalität du warst. Es gab so viele gemischte Ehen, zum Beispiel deutsch-kasachisch oder russisch-kasachisch. Später sind dann noch mehrere Familien aus der Ukraine oder aus anderen Republiken innerhalb der damaligen Sowjetunion auf unser Dorf gekommen, darunter viele Georgier und viele Tschetschenen. Also das war völlig normal! Bis zu diesem Jahr 1991. Während die Perestroika im Westen gefeiert wurde, sollte sie uns zum Verhängnis werden. Auf einmal hieß es: so, wir sind jetzt Kasachstan, ab morgen reden wir alle kasachisch! Die ganzen Amtswege, alles auf kasachisch. Von heute auf morgen. Plötzlich war Haß und Feindschaft unter den Menschen. Jeder, der kein geborener Kasache war und die Möglichkeit hatte, wegzufahren oder auszuwandern, verließ das Land… Und deswegen haben meine Eltern gleich gesagt: Anstatt sich hier jetzt erneut als 'Deutscher' und 'Faschist' beleidigen und beschimpfen zu lassen, fahren wir jetzt in das Land, aus dem unsere Urgroßeltern einst herkamen."


Die Briandins 1992, kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland. Das Foto zeigt sie zusammen mit zwei weiteren Auswandererfamilien im Übergangswohnheim Diabas bei Neuwerk im Harz. Hintere Reihe stehend, zweite von rechts: Emma Briandin; rechts neben ihr stehend Sohn Andreas, links vor ihr Tochter Nelly. Ganz links links stehend Ehemann Paul Briandin.
Foto: privat

Doch als Emma Briandin und ihre Familie im Dezember 1991 in Deutschland ankamen, stellte sich die Realitität ganz anders da, als erhofft. Sprachschwierigkeiten und Probleme, im deutschen Alltag Fuß zu fassen, erschwerten ihnen den Neuanfang. Aufgewachsen in einer autoritären Gesellschaftsform, die das Leben bis in alle Bereiche hinein zu bevormunden versuchte, musste sie sich von nun an um alle Probleme selbst kümmern.

Heute, fast 25 Jahre später, erzählt Emma Briandin rückblickend, wie sie und ihre Familie dennoch in Deutschland ein neues Zuhause fanden.

Kleine weiße Friedenstaube
Ein Lied und seine Schöpferin

Sendetermin: 09.03.2016, 10.05 Uhr, SWR2 Tandem - 25 Minuten

Autor: Thomas Gaevert
Redaktion: Ellinor Krogmann
Erzählerin: Almut Henkel
Sprecher: Jannek Petri
Regie: Andrea Leclerque

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"Kleine weiße Friedenstaube", von Kinderchor gesungen: [hier]
Noten, Text und Mitgliedskarte der Jungpioniere im .pdf-Format: [hier]

„Kleine weiße Friedenstaube“ ist eines der bekanntesten Kinderlieder aus der DDR. Es wurde vor allem in der Schule, zu unzähligen Pioniernachmittagen und zu besonderen Anlässen gesungen. Es war kein ideologisches Kampflied, dafür aber sehr leicht und einprägsam.

Seine Schöpferin ist die Pädagogin Erika Schirmer (geborene Mertke) aus Nordhausen am Harz. Es war im Jahre 1948, als sie an einem notdürftig vernagelten Schaufenster vorbeikam. Darauf klebe ein Plakat mit Pablo Picassos Friedenstaube - dem Symbol für die damals in Paris stattfindende Weltfriedenskonferenz.

Als Erika Schirmer dieses Plakat sah, fiel ihr spontan eine kleine Melodie ein. Als sie diese zum ersten Mal vor sich hinsummte, konnte sie noch nicht ahnen, wie berühmt ihr Lied einmal werden würde. Damals war die Trauer über die Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges noch frisch.

Die Sendung erzählt Erika Schirmers Geschichte.


Foto: Erika Schirmer
© (2015) Vincent Eisfeld

Vom Brockenbenno und der verlorenen Zeit
Geschichte eines Extremwanderers


Sendetermin: 02.12.2015, 10.05 und 19.20 Uhr, SWR2 Tandem - 25 Minuten
Wiederholung: Dienstag, 01. August 2017, 10.05 Uhr, SWR2

Autor: Thomas Gaevert
Regie: Günter Maurer
Redaktion: Ellinor Krogmann

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Siehe auch:
[www.brocken-benno.de]

Fast jeden Tag macht sich der alte Mann auf den Weg, um „seinen“ Berg zu besteigen. Egal, ob Sonnenschein oder Schneesturm - inzwischen sind es fast 8000 Mal, die er den Gipfel bestiegen hat. Benno Schmidt heißt der mittlerweile 82jährige Extremwanderer, und der Berg, den er täglich neu besteigt, ist der Brocken im Harz.

Zu DDR-Zeiten war hier ein militärisches Sperrgebiet. Betreten verboten, hieß es 28 Jahre lang. Viele schütteln über den Brockenbenno, wie er von allen genannt wird, den Kopf: Wie kann man nur so oft auf ein und denselben Berg laufen? Möchte er so die verlorene Zeit wieder einholen?

Benno Schmidt auf dem Weg zum Brocken-Gipfel
© Thomas Gaevert

„Ich weiß nicht, woher es kommt“
Leben mit dem PWS-Syndrom

Sendetermin: 18.11.2015, 10.05 Uhr, SWR2 Tandem - 25 Minuten

Autor: Thomas Gaevert
Regie: Günter Maurer
Redaktion: Petra Mallwitz

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Seit seiner Geburt leidet der 24jährige Christopher unter einem beständigen Hungergefühl. Schon als Neugeborener fiel er durch eine ausgeprägte Muskelschwäche auf. Hinzu kommen psychische Beeinträchtigungen wie extreme Stimmungsschwankungen, unkontrollierte Wutausbrüche, das Festhalten an einer starren Zeitplanung und die Unfähigkeit, kleinste Veränderungen zu akzeptieren. All das führt immer wieder in neue Konflikte und seelische Krisen. Ursache ist eine sehr seltene Behinderung namens Prader-Willi-Syndrom. Christopher selbst ist sich seiner Behinderung bewusst. Wird er dennoch jemals ein Leben führen können, das selbstbestimmt und angstfrei ist?

Musikliste
„Was ist Nebel?“ / „Abschied“ / „Im Rapsfeld“ / „Aufbruch“
Max Berghaus
Erbsen auf halb 6 (Film, 2003)

Christopher als Baby, als Zwölfjähriger und im Alter von 24 Jahren
© Bilder: privat