Nichts passiert? - Halberstadt und seine Neonazis

Produktion SWR2 - Sendung: 05.03.2008, 19.20 Uhr, SWR2 - Dschungel - 30 Minuten
Wiederholung: 26.06.2008, 09.05 Uhr, SR2 Kulturradio

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Ellinor Krogmann
Interviewpartner: Alexander Junghans, Irmela Mensah-Schramm, Mike Tangemann, Werner Hartmann, Inge Kallenberger u.a.
Sprecher: Anne Diemer, Lisas Wildmann
Ton und Technik: Beate Müller, Karl-Heinz Runde
Regie: Tobias Krebs

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Halberstadt in der Nacht vom 9. zum 10. Juni 2007: Eine Halberstädter Theatergruppe wird von vier rechtsradikalen Schlägern überfallen. Die Opfer sind schwer verletzt und müssen ins Krankenhaus gebracht werden. Es ist nicht das erste Mal, das die Stadt am Harz mit dem Thema Rechtsextremismus traurige  Schlagzeilen macht. Die Liste ähnlicher Vorfälle reicht bis in die 90er Jahre zurück. Die Namen der Täter sind bekannt. Doch echte Konsequenzen scheint es nicht zu geben. Lokale Politik und Justiz - so hat es zumindest den Eindruck - haben in den letzten Jahren vor den rechten Gewalttätern kapituliert. Die Wurzeln dieser Szene reichen bis in die DDR-Zeit zurück. Ein Alltag zwischen NVA-Kasernen und staatlich verordnetem Antifaschismus reizte damals viele Jugendliche zum Protest. Heute sind es Perspektivlosigkeit und sozialer Niedergang, die den ideologischen Nährboden für rechtes Gedankengut und verstärkte Gewaltbereitschaft bilden. Viele verlassen die Stadt. Eine lebenswerte Zukunft scheint hier ausgeschlossen zu sein. Alles hoffnungslos? Eine Spurensuche vor aktuellem Hintergrund.

Kundschafterin im Auftrag des Sozialismus

Die Geschichte der Gabriele Gast

Produktion SWR2 - Sendung: 03.10.2007, SWR2 - Dschungel - 25 Minuten
Wiederholung: 26.08.2009, 19.20 Uhr, SWR2

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Ellinor Krogmann
Mit: Dr. Gabriele Gast
Sprecher: Andreas Szerda, Nicole Boguth, Herbert Schäfer, Martin Ruthenberg, Oliver Kraushaar, Helmut Woestmann, Markus Calvin, Gabriele Violet
Ton und Technik: Ute Hesse, Judith Rübenach
Regie: Eberhard Klasse

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Im Mai 1968 reist die junge Politikstudentin Gabriele Gast für einen Studienaufenthalt in die DDR. Sie weiß, dass ihre Reise nicht ohne Risiko sein wird: Als Besucherin aus dem Westen steht sie unter permanenter Überwachung. Während ihres Aufenthaltes in Karl-Marx-Stadt verliebt sie sich in einen jungen Mann, der sich als MfS-Mitarbeiter zu erkennen gibt. Schon bald lernt sie das Handwerk der Konspiration kennen. Als sie eine Stelle beim BND bekommt, steigt sie zu einer der wichtigsten Quellen des DDR-Geheimdienstes auf.

1990 wird Gabriele Gast enttarnt. Nach 15 Monaten Isolationshaft wird sie zu 6 Jahren und 9 Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Das Gericht muss anerkennen, dass sie bis zum Schluss aus Überzeugung gehandelt hat. War es dieses Opfer wert? Eine ehemalige Spionin berichtet über ihre Motive, Selbstzweifel und die Folgen, die sich daraus für ihr Leben ergaben.

 

"Ich wollte kein Verräter werden"

Die SED und der Fall Paul Merker

Produktion SWR2 - Sendung: 20.09.2007, 20.05 Uhr, SWR2 - 49 Minuten

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Wolfram Wessels
Mit: Prof. Dr. Mario Kessler
Sprecher: Eva Garg, Heinrich Giskes, Max Ruhbaum, Klaus Spürkel, Andreas Szerda, Hubertus Gertzen, Herbert Schäfer, Ronald Spiess
Ton und Technik: Norbert Vossen, Waltraud Gruber
Regie: Günter Maurer

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Im November 1952 inszenieren Prager Stalinisten und ihre sowjetischen Berater ein Verfahren gegen vierzehn tschechische KP-Spitzenfunktionäre. Die meisten von ihnen sind jüdischer Herkunft. Der Schauprozess endet mit elf Todesurteilen.

Gleichzeitig drängt Stalin die DDR zur Durchführung eines ähnlichen Verfahrens. Doch SED-Chef Walter Ulbricht zögert. Er fürchtet, dass ein offen-antisemitischer Schauprozess nach Prager Vorbild seinen politischen Selbstmord bedeuten könnte. Schließlich wird ein Hauptangeklagter nichtjüdischer Herkunft präsentiert. Sein Name: Paul Merker - ein ehemaliges Politbüromitglied und innerparteilicher Rivale Walter Ulbrichts. Merker wird der Agententätigkeit und der Verbreitung zionistischer Auffassungen beschuldigt. Doch die Verhöre im MfS-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen führen nicht zu den gewünschten Aussagen. Deshalb wird ein Stasi-Spitzel in die Zelle geschleust. Doch Paul Merker ahnt die wahre Identität seines neuen Zellengenossen und gibt sich bedeckt. Ein Versteckspiel beginnt.

Spitzelberichte und Verhörprotokolle blieben erhalten. Sie ermöglichen Einblicke in die Vorbereitungen eines deutschen Schauprozesses, der im letzten Moment verhindert wurde.
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Bild rechts: Paul Merker, geb. 1984 in Oberlößnitz, gest. 13.05.1969 in Berlin
Foto: © www.stiftung-hsh.de / Gedenkstätte Hohenschönhausen
Aus: Kießling W.: "Partner im 'Narrenparadies' - Der Freundeskreis um Noel Field und Paul Merker (1994)

 

"Der Film ist nihilistisch!"

Fräulein Schmetterling - Geschichte eines Verbots

Produktion SWR2 - Sendung: 05.03.2007, SWR2 - Dschungel - 30 Minuten

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Wolfram Wessels
Sprecher: Sebastian Nakajew, Ursula Renneke, Walter Renneisen, Heinrich Giskes
Ton und Technik: Frank Biller, Karl-Heinz Runde
Regie: Maria Ohmer

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Es war die Geschichte eines jungen Mädchens, das es in der DDR der sechziger Jahre wagte, über seine Zukunft selbst bestimmen zu wollen. Alle bemühten sich, ein ordentliches Mitglied der sozialistischen Gesellschaft aus ihr zu machen. Aber statt Fischverkäuferin oder Schaffnerin zu werden, träumte das Fräulein Schmetterling davon, als Clown die Menschen zu beglücken. Christa und Gerhard Wolf hatten das Drehbuch geschrieben, Kurt Barthel hatte es bereits abgedreht, da kam im Dezember 1965 das 11. Plenum des ZK der SED dazwischen und beendete das kurze Tauwetter in der DDR. Der Film wurde als "zu nihilistisch" verboten. Nach der Wende 1990  tauchte eine Arbeitskopie auf, doch bevor sie öffentlich gezeigt werden konnte, verschwand sie auch schon wieder. Erst 15 Jahre später fand ein Archivar Schnittmaterial des Films, rekonstruierte ihn und so erlebte "Fräulein Schmetterling" 40 Jahre nach seiner Fertigstellung doch noch eine Kinopremiere.
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Bild links: Szenenfoto aus "Fräulein Schmetterling" mit Melania Jakubiskova als Helene Raupe
© Progress Film-Verleih