Warum hat Sarah nichts erzählt?

Grenzüberschreitung in Behinderten-Wohngruppen

Produktion SWR2 - Sendung: 16.06.2009, 10.05 Uhr, SWR2 - Leben - 25 Minuten
Wiederholung: 26.07.2011, 10.05 Uhr, SWR2 - Leben

Eine Hörfunk-Reportage von Thomas Gaevert
Redaktion: Petra Mallwitz - Regie: Tobias Krebs

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Menschen mit Behinderung sind meist leicht manipulierbar. Und so passiert es immer wieder, dass andere sie für ihre Zwecke ausnutzen. Andere Behinderte - aber auch Mitarbeiter oder Betreuer können zu Tätern werden. Oft passiert die Grenzüberschreitung fast unmerklich, besonders dann, wenn sich eine Behinderte in ihren Betreuer verliebt hat. Ivonne ist 24 Jahre alt, lernbehindert und lebt in einer Wohngruppe. Sie hat früher selbst einmal eine Situation mit sexuellem Übergriff erlebt, die sie im Nachhinein als sehr belastend empfand. Jetzt ist sie als Hauptfigur Sarah mit anderen jungen lernbehinderten Menschen die Hauptdarstellerin einem dreißigminütigem Spielfilm. Er soll darüber aufklären, wie schnell es geschehen kann, dass im realen Alltag Grenzen überschritten werden. Und was passieren kann, wenn alle wegschauen.


[ Anna-Zillken-Berufskolleg ]

Liebesstimmen - Die Geschichte der Kerstin Blasczyk

Produktion SWR2
Sendung: 20.05.2009, 19.20 Uhr, SWR2 - Dschungel - 20 Minuten
Wiederholung: 03.08.2011, SWR2

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Ellinor Krogmann
Sprecher: Jens Bonsack, Jonas Fürstenau, Bernd Gnann, Sascha Icks, Volker Risch, Marianne Rogée, Stephanie Schönfeld
Regie: Iris Drögekamp

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"Der Wahnsinn kam plötzlich", sagt Kerstin. Sie fand keine Erklärung für das, was sie erlebte. Familie, Freunde und Bekannte waren ratlos.

Anfangs glaubten alle noch, Kerstin würde irgendwann wieder zur Vernunft kommen. Sie war immer ein freundliches Kind gewesen, eine gute Schülerin. Ihre Zukunft war gesichert, ihr Leben geordnet. Bis Sam kam. Ungerufen war er da und redete mit ihr, wie noch nie ein Mensch mit ihr geredet hatte: "Wenn du mir auf Englisch eine Liebeserklärung machst, dann fahren wir gemeinsam nach Paris."

Mit Sam an ihrer Seite begab sie sich auf eine Flucht, die sie bis nach Spanien und Italien führte - manchmal orientierungslos, aber nie mehr allein. Wahn und Wirklichkeit vermischten sich zu einer gefährlichen Welt. Jeder Moment war anders und musste überlebt werden.

Viele Jahre später erinnert sich Kerstin an die Geschichte einer verrückten Odyssee, die ihr Leben für immer veränderte.

Die Geschichte von Laila und Slow Joe

Mit der "Schatzkiste" auf Glückssuche

Produktion SWR2 - Sendung: 28.01.2009, 19.20 Uhr, SWR2 - Dschungel - 25 Minuten
Wiederholung: 02.09.2010, 19.20 Uhr, SWR2

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion Ellinor Krogmann
Mit: Jörn Sommer, Bernd Zemella u.a.
Sprecherin: Marina Tamaschi
Ton und Technik: Burkhard Pitzer-Landeck, Renate Tiffert
Regie: Günter Maurer

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Besonders für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen ist es oftmals sehr schwer, einen Partner zum Zusammenleben zu finden. Oftmals wissen sie nicht, wie sie mit anderen Menschen in Kontakt kommen sollen. Kontaktanzeigen in der Zeitung sind häufig nur mit Frustrationen verbunden. Auch der Weg über Heiratsagenturen bringt kaum den gewünschten Erfolg. Sie ziehen den Betroffenen meistens nur das Geld aus der Tasche und am Ende steht die schmerzliche Erfahrung, dass man sich als behinderter Mensch allein gelassen fühlt.

Die "Schatzkiste" ist eine spezielle Partnervermittlung für Menschen, die mit geistigen Behinderungen leben. Die Kartei beschränkt sich ausschließlich auf diesen Personenkreis. Und sie ist kostenlos! 1999 gründete der Diplompsychologe Bernd Zemella die "Schatzkiste". 480 Menschen hat er in seiner Kartei und 50 erfolgreiche Vermittlungen gab es seitdem. Hier fanden sich auch Laila und Jörn. Die Sendung erzählt ihre Geschichte.

Bild rechts: "Slow" Joe alias Jörn Sommer (© Foto: Thomas Gaevert)

Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit

Kinderheime in der DDR

Produktion SWR2 - Sendung: 08.01.2009, 22.05 Uhr, SWR2 - 55 Minuten

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Wolfram Wessels
Mit: Ursula Burkowski, Kerstin Kuzia, Kathrin Begoin, Stefan Lauter, Manfred Haertel
Sprecher: Klaus Barner
Ton und Technik: Daniel Sänger, John Krol
Regie: Ulrich Lampen

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Am 3. November 1989 wurde in der DDR der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau aufgelöst. Die Maßnahme erfolgte innerhalb von nur einer Woche. Auslöser war eine geheime telefonische Anweisung aus Margot Honeckers Volksbildungsministerium. Ganz offensichtlich waren sich die dortigen Verantwortlichen sehr wohl darüber bewusst, welches Unrecht jahrelang in ihrem Auftrag geschehen war: In Torgau wurden "erzieherisch wirksam" jene Jugendlichen interniert, die die "sozialistische Lebensweise" störten. An die Stelle von Pädagogik trat in Torgau offene Gewalt.

Der Geschlossene Jugendwerkhof ist ein besonders finsteres Kapitel im Umgang der DDR mit ihren jungen Menschen: Wer nicht ins Bild passte, verschwand in den 32 Jugendwerkhöfen oder wurde in so genannten Spezialheimen verwahrt. Aber auch die Erziehung in den normalen Kinderheimen blieb nicht ohne Folgen. Wer keine Eltern hatte, wurde hier nach dem Vorbild des sowjetischen Pädagogen Makarenko zum sozialistischen Kollektivmenschen "geformt". Viele der betroffenen Kinder und Jugendlichen waren damit für's Leben gezeichnet, weil sie überhaupt nicht auf das Erwachsensein vorbereitet wurden. Wie also gehen ehemalige DDR-Heimkinder mit dem Erlebten und Erduldeten um?
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Bild oben: Das aufwendig renovierte Gebäude des Jugendwerkhofes Torgau
Foto: © EBS Torgau / Erinnerungs- und Begegnungsstätte im ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau
www.jugendwerkhof-torgau.de