"Eher regnet es Tinte..."

Der Mordfall Hagedorn und ein verbotener Film
Produktion: SWR2 - Sendung: 03.11.2010, 22:05 Uhr, SWR2 Feature - 55 Minuten

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Wolfram Wessels
Interviewpartner: Heinz Seibert, Tilmann Dähn, Friedhelm Werremeier, Heinz Behrens
Sprecher: Frank Arnold, Andreas Klaue, Anne Cathrin Buhtz, Achim Hall, Folkert Dücker, Markus Lerch, Andrea Hörnke-Trieß, Michael Heinsohn, Sebastian Kowski, Philipp Heitmann, David-Noel Grünewald, Michael Speer
Ton und Technik: Beate Böhler, Anke Schlipf
Regie: Günter Maurer

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Siehe auch: [Polizeiruf 110: "Im Alter von ..."] und: [40 Jahre Polizeiruf - Eine Erfolgsstory]

 

Im September 1974 begann das DDR-Fernsehen mit der Produktion zu einer neuen Folge von "Polizeiruf 110", dem sozialistischen Gegenstück zum westdeutschen "Tatort". Es ging um Kindermord und einen homosexuellen Täter mit pädophilen Neigungen. Die Geschichte basierte auf dem Fall des Kochlehrlings Erwin Hagedorn, der einige Jahre zuvor auf grausame Weise drei Jungen aus Eberswalde umgebracht hatte und dafür zum Tode verurteilt und hingerichtet worden war. Es war das letzte in der DDR nach zivilem Strafrecht vollstreckte Todesurteil.

Die Dreharbeiten waren fast fertig, als die Produktion plötzlich abgebrochen werden musste. Der Grund: Ein bekannter Journalist und "Tatort"-Autor hatte den Fall Hagedorn recherchiert und damit im Westen große Empörung ausgelöst. Die SED-Funktionäre leugneten die Geschichte und versuchten, sämtliche Spuren zu vernichten. Obwohl die verfremdete Filmstory keine Rückschlüsse auf die realen Geschehnisse zuließ, wurde auch sie kassiert. Erst 1990 erfuhr Regisseur Heinz Seibert die Hintergründe für das plötzliche Verbot und stieß auf die Spuren seines angeblich vernichteten Films.

Foto: © DRA Potsdam-Babelsberg / Titel-Montage: Gerhard Gehle

Otze - Vom Leben und Sterben eines deutschen Punkidols

Produktion SWR2 - Sendung: 24.04.2010, 19.20 Uhr SWR2 - Dschungel - 30 Minuten
Wiederholungen:
27.08.2012, 19.20 Uhr, SWR2
28.08.2012, 10.05 Uhr, SWR2

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Ellinor Krogmann
Mit: Anne Hahn, Bastian Biedermann
Sprecher: Robert Bester, Katharina Kottmeier, Max Ruhbaum, Falk Schuster, Konrad Singer, Berth Wesselmann
Ton und Technik: Angela Raymond, Roland Winger
Regie: Maidon Bader

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Am 23.04.2005 verstarb Punkrocklegende Dieter "Otze" Ehrlich im Alter von 41 Jahren. Mit seiner legendären Band Schleim Keim wurde er Anfang der achtziger Jahre zum Idol für viele ostdeutsche Jugendliche. Seine Lieder trafen den Nerv derjenigen, denen die Bevormundung des Staates schon lange zuwider war.

1981 traten Otze und seine Musiker zum ersten Mal unter dem Dach der Kirche in Erfurt auf. Unter dem Pseudonym "Saukerle" veröffentlichten sie wenig später ihre ersten Songs auf der im Westen erschienenen Schallplatte "DDR von unten". Doch der später als Stasi-Spitzel enttarnte Untergrundkünstler Sascha Anderson verriet die Musiker und Otze geriet bis zur Wende ins Visier der DDR-Überwachungsorgane. Doch er blieb ein Unangepasster.

In den Neunziger Jahren geriet Otze zunehmend in eine persönliche Krise. 1998 tötete er im Affekt seinen Vater und verbrachte die letzten Lebensjahre in einer psychiatrischen Anstalt. Über die wahren Umstände seines Todes ranken sich bis heute viele Gerüchte.
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Bild links: Dieter "Otze" Ehrlich starb am 23. April 2005 in einer forensischen Einrichtung. Amtliche Todesursache: Herzversagen.
Ausschnitt aus der Titelseite des Buches "Satan, kannst Du mir noch mal verzeihen?" von Anne Hahn und Frank Willmann / Ventil-Verlag

Sabines neue Welt

Eine 38jährige Autistin verlässt ihr Elternhaus

Produktion SWR2 - Sendung: 04.11.2009, 10.05 Uhr, SWR2 - Leben - 25 Minuten
Wiederholung: Mittwoch, 25.07.2012, 10.05 Uhr, SWR2

Eine Hörfunk-Reportage von Thomas Gaevert
Redaktion: Petra Mallwitz
Regie: Petra Meunier-Götz

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Siehe auch:
[Hier ab vier: Sabines neue Welt] (MDR) und
["Ich kriegte es nicht raus" - Bericht aus der Welt der Autisten]

 

Sabine ist 38 Jahre alt und autistisch behindert. Sie arbeitete zunächst als Reinigungskraft in einem Krankenhaus. Dort war sie den Anfeindungen ihrer Arbeitskolleginnen ausgesetzt und zog sich ins Elternhaus zurück: Von nun an erstarrte jeder Tag zum Ritual. Doch zwei Pädagoginnen erkannten Sabines Begabung. Sie halfen ihr, ein Buch über ihre ganz besondere Wahrnehmung der Welt zu schreiben.

Die Arbeit an dem Projekt ließ Sabine ins Leben zurückfinden. Sie zog in die Nachbarstadt. Besonders ihren Eltern fiel die Trennung schwer. Doch zusammen mit Freunden und Bekannten halfen sie Sabine dabei, die erste eigene Wohnung einzurichten. Doch was passiert, wenn man als Autist ganz plötzlich auf sich allein gestellt ist? Der Alltag in einer großen Stadt ist voller Veränderungen und komplexer Abläufe, die besonders für einen autistischen Menschen nicht immer zu durchschauen sind. Und jeden Tag kann man unvermutet neue Leute kennen lernen!

Seit anderthalb Jahren lebt Sabine in dieser für sie völlig neuen Welt. Die Sendung erzählt, welche Erfahrungen sie dabei machte.

© Foto: Sabine Gaevert

 

"Wie kannst du mit dieser Vergangenheit leben?"

RAF-Aussteiger in der DDR
Produktion SWR2 - Sendung: 21.10.2009, 22.05 Uhr, SWR2 Feature - 55 Minuten

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Wolfram Wessels
Sprecher: Markus Lerch, Bernhard Baier, Reinhold Weiser, Antonia Mohr, Elisabeth Findeis, Berit Fromme, Michael Stiller, Frank Stöckle
Ton und Technik: Rolf Knapp, Anke Schlipf
Regie: Günter Maurer

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Im September 1986 strahlte das ZDF eine Dokumentation über die Baader-Meinhof-Gruppe aus. Auch jenseits der Mauer wurde die Sendung aufmerksam verfolgt und sorgte für heftige Diskussionen. So glaubten die Mitarbeiter einer Hochschule in Köthen, im Film ausgerechnet eine ihrer Arbeitskolleginnen wieder erkannt zu haben: Susanne Albrecht. Aber wie sollte die im Westen gesuchte Terroristin in die DDR gekommen sein? Kurze Zeit später verschwand die verdächtigte Kollegin. Sie sei aus familiären Gründen umgezogen, hieß es. Zurück blieben viele Fragen bei denen, die sie kannten.

Anfang der 80er-Jahre waren zehn RAF-Terroristen in die DDR eingereist. Unter ihnen befanden sich nicht nur Susanne Albrecht, sondern auch Inge Viett und Silke Maier-Witt. Mit Hilfe des Ministeriums für Staatssicherheit nahmen sie eine neue Identität an und begannen ein zweites Leben als DDR-Bürger. Als Gegenleistung wurden sie IMs, aus RAF-Terroristen wurden Stasi-Spitzel.
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Bild rechts: Nach der Wende wurden im Juni 1990 insgesamt zehn RAF-Aussteiger enttarnt und in Berlin, Magdeburg, Senftenberg, Frankfurt/Oder, Schwedt und Neubrandenburg verhaftet.

Foto: www.google.de /  © www.n-tv.de