Mit dem eigenen Flugapparat in die Freiheit
Vierzig Jahre nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR

Sendetermin: Montag, 15. Mai 2017, 10.05 und 19.20 Uhr, SWR2 Tandem - 25 Minuten

Autor: Thomas Gaevert
Sprecher: Sebastian Schäfer, Uwe-Peter Spinner, Sebastian Röhrle
Regie: Felicitas Ott
Redaktion: Ellinor Krogmann

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Rudolf Pastor, aufgewachsen in der DDR, hatte nur einen Traum: frei zu sein! Ein erster Fluchtversuch in Richtung Westen scheiterte. Die Folge: Zwei Jahre Zwangsarbeit in Zittau. Im Sommer 1976 versuchte er es erneut mit Hilfe eines selbstgebauten Flugapparates. Doch das Unternehmen wurde verraten.


 Rudolf Pastor                                     Der selbstgebaute Flugapparat
 Fotos: © 2017 Thomas Gaevert           © 1976 Rudolf Pastor

Vierzig Jahre später begibt sich Rudolf Pastor noch einmal auf Spurensuche: Wie kam es zu dem Verrat? Was geschah mit dem Flugapparat, nachdem er von der Stasi beschlagnahmt wurde? Und hätte sein Plan wirklich funktionieren können?

Auf großer Bühne
Wie Slow Joe aus Buxtehude nach Südkorea kam

Sendetermin: Montag, 13. März 2017, 10.05 und 19.20 Uhr, SWR2 Tandem - 25 Minuten

Autor: Thomas Gaevert
Sprecher: Marcus Michalski
Ton und Technik: Claudia Peyke und Martin Vögele
Regie: Felicitas Ott
Redaktion: Ellinor Krogmann

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Jörn Sommer war zwei Jahre alt, als er von einem Auto angefahren wurde. Seitdem gilt er als geistig leicht behindert, er hat Sprach- und Gehstörungen.

In seiner Freizeit macht Jörn Musik. Er hat Schlagzeug und Klavier gelernt. Er hatte Gesangsunterricht und schreibt eigene Lieder. Im Sommer 2015 stand er bei einem Musikfestival in Südkorea mit anderen geistig und körperlich behinderten Musikern aus der ganzen Welt erstmals auf großer Bühne. Er riss das Publikum mit. Aber in Deutschland wurde sein Auftritt kaum wahrgenommen. War alles nur ein Traum?


Jörn sang bei seinem Auftritt in PyeongChang das Lied, das wie er selbst "Sommer“ heißt
Foto: Kulturabteilung der Botschaft der Republik Korea

Siehe dazu auch:
"Die Geschichte von Laila und Slow Joe"

Die Luftpiraten von Marienbad
Geschichte einer Flugzeugentführung

Sendetermin: Mittwoch, 1. Februar 2017, 22.03 Uhr, SWR2 Feature - 53 Minuten

Autor: Thomas Gaevert
Sprecher: Farida Shehada, Oliver Jacobs, Stefan Roschy, Sebastian Mirow, Sebastian Weber
Ton und Technik: Johanna Fegert, Andreas Völzing, Sonja Röder
Redaktion: Wolfram Wessels
Regie: Iris Drögekamp

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8. Juni 1972: Im tschechischen Marienbad startet eine kleine Passagiermaschine zu einem Inlandsflug nach Prag. Plötzlich steht ein junger Mann mit einer Pistole im Cockpit. Lubomír Adamica, 22 Jahre alt, gehört zu einer Gruppe von zehn Entführern, die eine Ausreise in den Westen erzwingen wollen. Als sich Chef-Pilot Ján Mičica zu widersetzen versucht, fällt ein Schuss. Mičica wird von einer Kugel getroffen und stirbt.



Foto: Anflug auf den Verkehrslandeplatz Weiden/Latsch in der Oberpfalz
© (2012) Leonhard Burger, Tännesberg

Ko-Pilot Ján Chrobák gelingt es schließlich, die Maschine - dem Wunsch der Entführer gemäß - über die Grenze nach Deutschland zu fliegen und bei Weiden in der Oberpfalz notzulanden. Die zehn jungen Entführer - alle im Alter zwischen 17 und 22 Jahren - werden verhaftet und zu Freiheitsstrafen zwischen 3 und 7 Jahren verurteilt. Ihre Schuld am Tod des Piloten scheint erwiesen zu sein.

40 Jahre später wird der Fall medial noch einmal neu aufgerollt. Ein zweiter Obduktionsbericht, gefunden in den Prager Geheimdienstarchiven, läßt die damaligen Ereignisse in neuem Licht erscheinen - mit überraschendem Ergebnis.


Foto (v.l.n.r.): Olga Setnická (mit Sohn David), Jaromír »Renda« Kerbl, Milan »Miláček« Trčka, Jiří »Houba« Vochomůrka, Jarek / Jaromir Dvořák, Jiří »Béďa« Beran, Alena Černá, František Hanzlík, Alena Heinzová. - Auf dem Foto fehlt Lubomír Adamica.
©: Petr Vrána / Media Archiv z.s. Prag

Kasachstan, das war einmal
Wie die Familie Briandin in Deutschland eine zweite Heimat fand

Sendetermin: 29.06.2016, 10.05 Uhr, SWR2 Tandem - 25 Minuten

Autor: Thomas Gaevert
Redaktion: Ellinor Krogmann
Regie: Günter Maurer

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Emma Briandin unterrichtet Kriegsflüchtlinge in der deutschen Sprache. Die erste Hürde, als Asylbewerber „anerkannt“ worden zu sein, haben die 16 Teilnehmer ihres Deutschkurses genommen. Doch jeder von ihnen weiß genau: Wenn sie wirklich bleiben wollen, dann müssen sie auch die deutsche Sprache beherrschen, müssen sich in unser Alltagsleben und unsere Kultur einfühlen können. Erst dann werden sie eines Tages keine Fremden mehr sein, sondern wirklich „anerkannt“ werden. Denn Heimat habe sehr viel mit „anerkannt sein“ zu tun, sagt Emma.


Die Briandins 2016 auf dem Gelände des ehemaligen Wohnheims Diabas. Die Gebäude sind heute nur noch Ruinen.
Foto © (2016): Thomas Gaevert

Die sechzigjährige Lehrerin weiß, wovon sie redet. Geboren wurde sie 1955 im Uralgebiet. Ihre Eltern wurden als Rußlanddeutsche dorthin zwangsumgesiedelt. 1959, nach Stalins Tod, zog die Familie auf eine Sowchose im Norden Kasachstans um. Dort wuchsen Emma und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder auf.

„Also das war dort richtig Multikulti im positivsten Sinne“, erinnert sich Emma heute. „Es war so egal, welcher Nationalität du warst. Es gab so viele gemischte Ehen, zum Beispiel deutsch-kasachisch oder russisch-kasachisch. Später sind dann noch mehrere Familien aus der Ukraine oder aus anderen Republiken innerhalb der damaligen Sowjetunion auf unser Dorf gekommen, darunter viele Georgier und viele Tschetschenen. Also das war völlig normal! Bis zu diesem Jahr 1991. Während die Perestroika im Westen gefeiert wurde, sollte sie uns zum Verhängnis werden. Auf einmal hieß es: so, wir sind jetzt Kasachstan, ab morgen reden wir alle kasachisch! Die ganzen Amtswege, alles auf kasachisch. Von heute auf morgen. Plötzlich war Haß und Feindschaft unter den Menschen. Jeder, der kein geborener Kasache war und die Möglichkeit hatte, wegzufahren oder auszuwandern, verließ das Land… Und deswegen haben meine Eltern gleich gesagt: Anstatt sich hier jetzt erneut als 'Deutscher' und 'Faschist' beleidigen und beschimpfen zu lassen, fahren wir jetzt in das Land, aus dem unsere Urgroßeltern einst herkamen."


Die Briandins 1992, kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland. Das Foto zeigt sie zusammen mit zwei weiteren Auswandererfamilien im Übergangswohnheim Diabas bei Neuwerk im Harz. Hintere Reihe stehend, zweite von rechts: Emma Briandin; rechts neben ihr stehend Sohn Andreas, links vor ihr Tochter Nelly. Ganz links links stehend Ehemann Paul Briandin.
Foto: privat

Doch als Emma Briandin und ihre Familie im Dezember 1991 in Deutschland ankamen, stellte sich die Realitität ganz anders da, als erhofft. Sprachschwierigkeiten und Probleme, im deutschen Alltag Fuß zu fassen, erschwerten ihnen den Neuanfang. Aufgewachsen in einer autoritären Gesellschaftsform, die das Leben bis in alle Bereiche hinein zu bevormunden versuchte, musste sie sich von nun an um alle Probleme selbst kümmern.

Heute, fast 25 Jahre später, erzählt Emma Briandin rückblickend, wie sie und ihre Familie dennoch in Deutschland ein neues Zuhause fanden.