Ausgelöscht - Bialystok und seine Juden

Produktion: D 2007, Aquino Film, WDR/RBB 22.11.2007, 00.00 Uhr, DasErste - Farbe + s/w, 43 Minuten

Weitere Sendungen:
26.11.2007, 20.15-21.00 Uhr, EINS EXTRA
05.11.2008, 22.35-23.20 Uhr, RBB
07.06.2011, 00.00-00.45 Uhr, WDR

Am 15.07.2008, 20.00 Uhr, wurde der Film im Kinosaal des Martin-Gropius-Bau's, Berlin-Kreuzberg, gezeigt. Nach der Vorführung standen sowohl die mitwirkende Zeitzeugin Helena Bohle-Szacki als auch der Autor Thomas Gaevert für Fragen zur Verfügung. Moderation: Katrin Stoll, Universität Bielefeld und Beraterin des Filmprojektes.

Ein Film von Martin Hilbert und Thomas Gaevert

Video: [Ausgelöscht - Bialystok und seine Juden]

Von den mehr als 60.000 Einwohnern, die Anfang des 20. Jahrhunderts in der ostpolnischen Stadt Bialystok lebten, waren drei Viertel Juden; die jüdische Gemeinde war die größte in Polen. Es gab ein reiches jüdisches Kulturleben: jüdische Schulen und Theater, Museen und Bibliotheken.

Das normale, zivile Leben endete abrupt im September 1939. Zunächst besetzten deutsche Truppen die Stadt. Dann, eine Woche später, trat die Aufteilung Polens nach dem Hitler-Stalin-Pakt in Kraft – Bialystok wurde der Roten Armee übergeben. Die sowjetischen Soldaten traten anders auf als die Deutschen, aber auch sie begannen, die jüdische Bevölkerung zu unterdrücken. Verboten wurde alles, was zur jüdischen Kultur gehörte, vor allem der Gebrauch von Jiddisch und Hebräisch in Schulen oder Zeitungen. Viele Flüchtlinge, die sich vor der Verfolgung durch die Deutschen in den deutsch besetzten westpolnischen Gebieten in Sicherheit bringen wollten, wurden nahezu umgehend in sibirische Arbeitslager deportiert. Doch der wirkliche Schrecken erreichte Bialystok, als im Juli 1941, fast zwei Jahre nach Beginn der sowjetischen Besatzung, die Deutschen wieder in die Stadt einmarschierten – unmittelbar nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion. Jetzt begann die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung von Bialystok. Kinder wurden nach Theresienstadt verschleppt, über 30.000 Menschen in den ersten beiden Monaten getötet. Als dann das Ghetto Bialystok eingerichtet wurde, erklärte sich der von den Nazis installierte Judenrat in höchster Not zur Kooperation mit den Deutschen bereit. Jeder hoffte, durch die Arbeit in den großen kriegswichtigen Textilbetrieben sein Leben retten zu können. Vergeblich: Im Laufe des Jahres 1943 wurden alle noch in Bialystok lebenden Juden ermordet.

Das jüdische Bialystok lebt nur noch in der Erinnerung der wenigen Überlebenden, denen irgendwann die Flucht gelang. Einige von ihnen, die heute über die ganze Welt verstreut leben, erzählen in dieser Dokumentation von den schwarzen Jahren Bialystoks, von der sowjetischen Unterdrückung und dem deutschen Terror. Felicja Novak ist noch einmal nach Bialystok gefahren.

An den Orten von damals schildert sie, wie ihre Angehörigen drangsaliert und ermordet wurden, unter welchen Umständen sie selbst überlebt hat. Umfangreiches Foto- und Filmmaterial aus Bialystok sowie Tonaufzeichnungen aus den Prozessen gegen die deutschen Verantwortlichen zeichnen ein tief beschämendes Kapitel deutsch-polnischer Geschichte nach.

Bild oben: Die junge Felicja Nowak. Eine polnische Bauernfamilie half ihr bei der Flucht aus dem Ghetto und versteckte sie bis zum Kriegsende vor ihren Verfolgern.

Autor: Thomas Gaevert
Regie: Martin Hilbert
Redaktion: Beate Schlanstein (WDR) / Jens Stubenrauch (RBB)
Kamera: Jan Christoph Bieselt / Martin Hilbert
Schnitt: Maya Raue
Ton: Simon Schläger
Grafik: Jan Christoph Bieselt
Musik: Reinhard Schaub, Zbigniew Siwinski
Wissenschaftliche Beratung: Katrin Stoll, Dr. Freia Anders (Universität Bielefeld)
Sprecher: Gregor Höppner, Gisela Claudius, Sigrid Bolde, Heinz Neumann
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